Daniele Jenni 1950-2007 †
20. April 2009Erst 58-jährig ist der unbequeme Basisdemokrat, Stadtrat, Grossrat und Jurist Daniele Jenni an Krebs gestorben. Ein äusserst liebenswürdiger - für viele lästiger Zeitgenosse schweigt für immer. Seit über dreissig Jahren begegnete ich ihm immer wieder in wechselnden Rollen - im Stadtrat, im Grossen Rat des Kantons Bern, an Vereinsforen, Abstimmungspodien oder ganz einfach in der Beiz.
Politisch gesellig aber persönlich sehr verschlossen präsentierte er sich - und er arbeitete immer. Keine Budgetdebatte ohne eine beliebig grosse Zahl Jenni’scher Anträge. Unbequem, gradlinig und meist aufs Wesentliche aus: Wahrung demokratischer Grundrechte, Verhinderung unsauberer Praktiken der Verwaltung, immer auf der Seite derer, die - wie auch immer - ins Randgruppendasein abgedrängt wurden. Er war eine politische Institution in Bern.
Der Fürsprecher Jenni war auch juristisch ein grosses Kaliber
Seine mannigfaltigen Rechtseingaben waren in der Verwaltung gefürchtet und das Verwaltungsgericht musste sich sehr anstrengen, seiner konsistenten Gedankenführung etwas entgegensetzen zu können. Vor gerichtlichen Instanzen bekam Jenni häufig Recht. Was auch immer er in blitzgescheithe, wohlbegründete Eingaben verwandelte, machte seinen Kontrahenten zu schaffen. Westside, Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit, Wegweisungspraxis der Polizei, undemokratische Kreditvorlagen. Jenni definierte die basisdemokratischen Grundregeln des Rechtsstaates konsequent und hartnäckig - bis zur Lästigkeit für seine Gegner. Seine Doppelrolle als scharfzüngiger Politiker und gesetzeskompetenter Anwalt der Basisdemokratie und der kleinen Leute, machte ihn zur oft schon fast panikerregenden Institution. Meine erste Begegnung mit seiner juristischen Scharfzüngigkeit machte ich bei der “Wendynitiative” in den 70er-Jahren. Ein renommiertes Restaurant in einer denkmalgeschützten Baute (Café Rudolf) sollte in das erste Fast-Food-Restaurant Berns umgewandelt werden. Jenni verlangte, dass die damals noch zahnlose Denkmalschutzbehörde ob der vielen Änderungen in diesem historischen Bau neue Kriterien betreffend ‘innern’ Denkmalschutz einführen sollte. Jahre später - und trotz abgelehnter Initiative - wurden diese neuen Regeln auch vom städtischen Denkmalschutz eingeführt. Damit hatte die beliebige Aushöhlung denkmalgeschützter Bauten ein Ende - in den meisten Fällen jedoch zu spät.
Daniele Jenni war kein Massenanführertyp - und damit auch kein Volkstribun
Ursprünglich Sektionspräsident der grössten SP-Sektion in Bern West (SP-Bümliz), wurde Jenni - selbstredend im Konflikt mit der Sektion - Begründer einer kleinen basisdemokratischen-ökologischen Gruppierung, die er zusammen mit Luzius Theiler anführte. Mal ging ein Sitz verloren, mal wieder gewonnen - Jenni aber war mit oder ohne politisches Mandat immer im Gespräch. Sein ganzes privates Leben opferte er - meist selbstlos - dem Kampf für seine Ideen. Damit wurde der äusserst gebildete Professorensohn weder reich, noch fand er seinen Platz in der politischen Elite der Stadt und des Kantons. Trotzdem genoss er weitherum grosses Ansehen und man zollte ihm Respekt, obwohl seine Hartnäckigkeit den grossen Gottesdienst nachhaltig stören konnte. Selten spürte man in bürgerlichen Kreisen - ausser den üblichen Witzen zu seiner opulenten Erscheinung jenen tiefgehenden Hass, der andern Nestbeschmutzern zuteil wurde. Viele scheuten vor der geballten Ladung kompetenter Eloquenz, die Jenni entfalten konnte, wenn er unqualifizierten Angriffen ausgesetzt war.
Die Verhinderung des SVP-Königsmarsches auf Bern wurde Jenni untergeschoben
Es ist schon fast unglaublich, wie Jenni mit seiner fortschreitenden Krankheit es schaffen konnte, dem leichtherzig und kurzsichtig bewilligten Krönungsmarsch Blochers und seiner SVP durch die gesamte Berner Innenstadt eine Gegendemo unter dem Motto “Schwarzes Schaf “entgegen zu setzen. Was auf den darauf folgenden Abbruch der provokativen SVP-Demo folgte ist noch Gegenstand gegenwärtiger Zeitgeschichte. Jenni wurde als der eigentliche Urheber gebrandmarkt und von Krethi und Plehti ins Pfefferland gewünsch