SVP-Krönungsmesse in Bern - abzotteln

Die auf den 6.10. gelegte Krönungsmesse des Schweizer-Königs Blocher fand nicht statt. Es gelang dem König und dem gesamten Hofstaat nicht mal die Überquerung der engern Stadtgrenze, der Nydeggbrücke. Erbärmlich klein war das Häufchen dann am steilen Klösterlistutz, wo der König - wohl um sein fahnenschwingendes Fussvolk nicht allzu sehr zu enttäuschen, eine improviserte Rede hielt. Blocher - umgeben von Bodyguards - tobte und zottelte ab.

Die Eroberung des Rot-Grünen Bundesstadt als Triumpfzug - eine ziemlich hirnrissige Idee

Welcher Stratege auch immer die Idee geboren hat, ausgerechnet 14 Tage vor den Wahlen einen NSDAP-ähnlichen Aufmarsch der SVP durch die gesamte Innenstadt Berns zu veranstalten, dürfte wohl eher einem momentanen Hirnriss zum Opfer gefallen sein. (Kaum vorstellbar, dass das in einer andern grössern Schweizer Stadt möglich gewesen wäre). Man stellte sich offenbar vor, dass die Sonntags- und Montagspresse voller glorreicher Bilder des Messias Blocher, der drohend auf des nahe Bundehaus zeigt und seine Tiraden über seine geplanten und realisierten Säuberungsaktionen zum Besten gibt. Ob Absicht oder nicht. Der Berner Gemeinderat hat diesen Hirnriss bewilligt - wohl wissend, dass so etwas weder möglich ist, noch hingenommen werden wird. Mit dieser Bewilligung war das Scheitern des Vorhabens schon einprogrammiert. Etwa so wie die SVP in Bern, stellte sich George Bush anfänglich seinen Einmarsch ins befreite Bagdad vor. Jubel über die momentane Befreiung von der rot-grünen Tyrannei. Schweizertum in Reinkultur mit einer jubelnden und klatschenden Volksmenge am Strassenrand.

Nur die Polizei sah voraus, der geplante Umzug völlig unrealistisch ist

Verstärkt durch eine Hundertschaft Aargauer-Polizisten, versuchte die Polizei die direkte Konfrontation zwischen Glatzköpfen und linken Spontis zu vermeiden. Es ist ihr auch gelungen. Dafür musste die SVP auf ihren Aufmarsch verzichten, es gingen ein paar Scheiben in Brüche und das Wahlmaterial verbrannte auf dem Bundesplatz als eine Art stellvertretendes 1. Augustfeuer. Alle Berner, die das gesehen haben dachten sich: Besser ein solches Feuerlein als eine unkritisch johlende Meute selbsternannter Landesretter. Damit hat die stadtberner Polizei eine gute Leistung erbracht und hat die Bevölkerung vor sclimmerem bewahrt.
Die Ganze Toberei und Schreierei von Parteipräsindet Ueli Maurer von wegen Demonstrationsfreiheit, Redefreiheit, rot-grüner Stadtregierung und deren Parteien, die angeblich die linken Chaoten auf den Plan gerufen haben sollen, gehört zum Vokabular des Unmenschen: Wenn man seit Monaten sämtliche Plakatwände mit volks- und gruppenverhetzenden Parolen und Bildern vollkleistert, mit rassistischen Sprüchen herumoperiert und sämtliche andersdenken Randgruppen samt ihren Familien aus der Schweiz verbannen möchte, im selben Atemzug jedoch nicht nur Rede- und Demonstrationsfreiheit beansprucht, sondern eine ganze Stadt dazu benutzen will, so muss man wohl eher ein klinisches Vokabular zu Hilfe nehmen, um den Geisteszustand angemessen zu beschreiben: akuter Grössenwahnsinn im fortgeschrittenen Stadium.

Die Berner Stadtbürger werden die SVP jederzeit wieder willkommen heissen. Am besten im Stade de Suisse oder auf der Allmend, wo sie sich wohler und sicherer fühlen dürfte, als in den unkontrollierten Gässchen der Innenstadt. Dort können sie ihre Fahnen schwingen und ihrem Führer zujubeln…

Andreas Lutz

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